Bildstöcke – Plätze der Stille und Besinnung

In der Flur in Mainbullau gibt es 12 Bildstöcke, die von den Besitzerfamilien gepflegt werden. Die Bilder sind in Stein gemeißelter Glaube. Sie überraschen durch ihre Vielfalt. Vielfalt, was ihre Gestaltung angeht und Vielfalt wegen ihrer sehr unterschiedlichen Intentionen.

Die Mehrzahl hat einen Bezug zu Maria, einer ist ein Wendelinusstein, was in einem Bauerndorf nicht wundert. Zwei Bilder befassen sich mit Jesu und einer mit dem Erzengel Michael.

Der überlieferte Termin für den Flurgang ist der letzte Maitag, aber in unserer Zeit findet er an einem Donnerstag davor oder danach statt. Die Gemeinde zieht singend und betend durch die Flur. Zum Abschluss gibt es an einem Bild einen Gottesdienst. Dem Gottesdienst folgt ein gemütliches Beisammensein.


Bild 01: Friedhof

bildstock 1a mainb 916Das große Wegkreuz mit dem steinernen Korpus und der darüber angebrachten Inschrift „Inri“erinnert an einen Verunglückten, der – so die Überlieferung – bei der Obsternte umkam.

Im Grundstein befindet sich die Jahreszahl „1888.“

Im Sockel befindet sich die Inschrift:

„Zum Andenken an Johann Martin Eck. Wer hier vorübergeht bete still ein Vater unser u. Ave Maria“.

Das Kreuz stand an der Abzweigung des alten Miltenberger Weges und befand sich neben dem Friedhof. Im Rahmen der Flurbereinigung wurde der Friedhof vergrößert und das Kreuz steht nun im Friedhof.

Das Bild ist im Besitz der Stadt Miltenberg.

Es segne dich Gott, der Vater, der dich nach seinem Bild geschaffen hat.
Es segne dich Gott, der Sohn, der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat.
Es segne dich Gott, der Heilige Geist, der dich zum Leben gerufen und geheiligt hat.
Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist, geleite dich durch das Dunkel des Todes in sein Licht.
Er sei dir gnädig im Gericht und gebe
dir Frieden und ewiges Leben.
Amen.
(
Gl alt 28,9)


Bild 02: Schmerzensmutter

bildstock 2a mainb

Der älteste Bildstock in der Flur zeigt die Schmerzensmutter mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Über dem Bild befindet sich ein Engelskopf und darüber steht die Jahreszahl „1706“.

Unterhalb der Pieta – in einem Medaillon – der Satz:

„Schmerzhafte Gottesmutter Bitte für uns“

Die Arbeiten im Sockel wurden, beim Umstellen nach der Flurbereinigung, von Ehrenbürger Anton Breunig angebracht. Das Bild stand ursprünglich ca. 200 m östlich vom aktuellen Standort am ehemaligen Miltenberger Weg und ist im Eigentum der Familie Beuchert.

Welch ein Schmerz der Auserkorenen,
da sie sah den Eingebornen, wie er mit dem Tode rang. Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen, das nur je ein Herz durchdrang.
Drücke deines Sohnes Wunden, wie du selber sie empfunden, heilge Mutter in mein Herz.
Dass ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet, gib mir teil an seinem Schmerz.
(
GL alt 532)